Innendämmung vs. Außendämmung: Aufbau & Tipps
January 12, 2023

Innen- vs. Außendämmung: Aufbau, Vorteile, Nachteile und Tipps

Wer effektiv Energiekosten sparen will, sollte in eine gute Dämmung des Hauses investieren. Dabei wird zwischen Neubau und Sanierung unterschieden und zwischen Außen- und Innendämmung. Wir erklären euch die Unterschiede und geben euch Tipps für die Umsetzung.

Welche Anwendungsgebiete gibt es für Außen- und Innendämmungen?

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Haus zu dämmen: Außendämmung und Innendämmung. Da eine Innendämmung viele Nachteile mit sich bringt, sollte wenn möglich immer eine Außendämmung umgesetzt werden. Das gilt vor allem für Neubauten. Bei Sanierungen gibt es einige Anwendungsfälle, bei denen eine Innendämmung nötig sein kann:

  • Erhaltenswerte Fassade, wie z.B. bei einem Fachwerkhaus
  • Denkmalschutzauflagen
  • Haus steht auf Grundstücksgrenze

Welche Vor- und Nachteile hat eine Außendämmung?

Eine Außenwanddämmung hat viele bauphysikalische Vorteile. Bei einem Neubau kann der Aufbau der Außenwand direkt gemäß den Anforderungen der Energieeffizienz umgesetzt werden. Bei einer Sanierung ist es besonders wichtig, dass die nachträglich angebrachte Außenwanddämmung sorgfältig geplant wird und zur bestehenden Wand passt.

Die Vorteile einer Außenwanddämmung sind die folgenden:

  • Alle tragenden Außenwände und Zwischendecken sind warm eingepackt und es entstehen weniger Wärmebrücken.
  • Reduzierung der Tauwasserbildung im Wandaufbau
  • Frostschutz der Wasserleitungen 

Bei einer nachträglichen Außenwanddämmung ändern sich die Anschlüsse an Fenster und das Dach, was zu weiteren Baumaßnahmen führen kann. Ebenso reduzieren sich die Abstände zur Grundstücksgrenze.

Hausbauende sollten eine Außendämmung bevorzugen, denn diese bringt mehr Vorteile als die innenliegende Dämmung.
Hausbauende sollten eine Außendämmung bevorzugen, denn diese bringt mehr Vorteile als die innenliegende Dämmung.

Welche Vor- und Nachteile hat eine Innendämmung?

Der einzige Vorteil einer Innendämmung ist der Erhalt der Fassade. Ansonsten bringt eine Innendämmung viele Nachteile mit sich:

  • Die tragende Außenwand bleibt kalt, was zu Tauwasseranfall im Schichtaufbau führen kann.
  • Die Zwischendecken bleiben kalt und werden zu Wärmebrücken.
  • Die in der Wand liegenden Wasserleitungen werden nicht vor Frost geschützt.
  • Der sommerliche Wärmeschutz verschlechtert sich, weil die massiven Bauteile außen liegen.
  • Der Brandschutz in den Innenräumen verschlechtert sich.
  • Bei der Planung einer Innendämmung ist ein Nachweis über die physikalische Eignung erforderlich.

Was sind die bauphysikalischen Unterschiede von einer Außen- und einer Innendämmung?

Eine Außen- und Innendämmung haben eine unterschiedliche Wirkungsweise. Generell ist es so, dass die warme Innenluft durch die Außenwand diffundiert und je weiter sie nach außen gelangt, umso mehr passt sie sich der Außenlufttemperatur an. In den meisten Fällen ist die Außenlufttemperatur geringer als die Innenluft, d.h. die Innenluft kühlt ab. Da warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kältere Luft, kommt es bei diesem Prozess zu einem Tauwasserausfall, d.h. die Feuchtigkeit, die die Luft nicht mehr speichern kann, fällt in der Wand aus. Dieses Wasser nennt man auch Tauwasser oder Kondenswasser. Optimal ist es, wenn dieser Tauwasserpunkt möglichst weit außen liegt.

Bei einer Innendämmung kann es zu einem Tauwasseranfall direkt hinter der Dämmung kommen, d.h. mitten im Wandaufbau. Wenn die Schicht hinter der Dämmung einen hohen Wasserdampfdiffusionswiderstand hat, d.h. keine Feuchtigkeit durchlässt, dann kann das Tauwasser die Bausubstanz schädigen und zu Schimmel führen.

Es gibt drei unterschiedliche Szenarien für Innendämmungen:

  1. Die diffusionsoffene Innendämmung in Kombination mit diffusionsoffener Wand: Durch die Möglichkeit, dass die Feuchtigkeit abtransportiert werden kann, findet eine Regulierung der Feuchtigkeit im Wandaufbau statt. Wird dieser Wandaufbau mit einer Wandheizung kombiniert, dann wird die Austrocknung der Wand beschleunigt.
  2. Die Innendämmung wird entweder auf einer Dampfbremse angebracht oder das gewählte Dämmmaterial fungiert als Dampfbremse. Die Feuchtigkeit bleibt im Innenraum und muss durch zusätzliches Lüften abgeführt werden. Die Luftdichtigkeitsebene muss absolut dicht sein, um das Eindringen von Feuchtigkeit in den Wandaufbau zu verhindern.
  3. Die Wand selbst ist nicht diffusionsoffen. Dieser Wandaufbau ist besonders anfällig für Fehler und es muss mit einer Dampfsperre verhindert werden, dass Feuchtigkeit in den Wandaufbau eindringen kann, weil diese nicht mehr austrocknen kann.
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Was muss bei der Planung und Ausführung einer nachträglichen Dämmung beachtet werden?

Eine nachträgliche Dämmung ist in den meisten Fällen genehmigungsfrei. Trotzdem sollte das in der jeweiligen Landesbauordnung und im Bebauungsplan nachgeschaut werden. Das ist vor allem wichtig, wenn die nachträgliche Dämmung mit weiteren Bau- oder Sanierungsmaßnahmen kombiniert wird. Bei einer Außendämmung muss auch abgeklärt werden, ob die Mindestabstände zu Grundstücksgrenzen und Nachbarbebauung eingehalten werden.

Folgende Punkte sollten bei der Planung und Ausführung beachtet werden:

  • Es sollten keine feuchten Bauteile gedämmt werden.
  • Es sollten Wärmebrücken vermieden werden.
  • Der Dachüberstand sollte ggf. angepasst werden, um den sommerlichen Wärmeschutz und den Fassadenschutz zu erhöhen.

Im Sockelbereich ist ein Anschluss bis unter die Geländeoberkante wichtig. Bei einem Keller sollte lückenlos an die Kelleraußendämmung angeschlossen werden bzw. der Keller mit gedämmt werden. Bei einer Bodenplatte sollte die Dämmung bis zur Unterkante der Bodenplatte bzw. lückenlos an die Dämmung unter der Bodenplatte angeschlossen werden.

  • Die Fenster bzw. ein späterer Fenstertausch sollten bei der Planung der Dämmung mit beachtet werden.
  • Es sollte darauf geachtet werden, dass nur Gesamtsysteme verwendet werden. Bei WDVS (Wärmedämmverbundsystem) gibt es eine Übereinstimmungsnachweispflicht.
  • Wie die nachträgliche Dämmung aufgebracht wird (gedübelt oder geklebt), hängt vom bestehenden Wandaufbau ab.

Es besteht auch die Möglichkeit, eine gedämmte, hinterlüftete Fassade (Unterkonstruktion, Dämmstoff, Winddichtung, Fassadenbekleidung) zu errichten. Die 4-6 cm dicke Luftschicht hilft beim Abtransport von Feuchtigkeit und erhöht den sommerlichen Wärmeschutz.

Eine nachträgliche Dämmung sollte nur von Fachpersonal geplant und ausgeführt werden. Zu Beginn sollte ein Gesamtsanierungskonzept mit einem Sanierungsfahrplan aufgestellt werden.

Dämmmaßnahmen werden in Deutschland vielfältig gefördert, daher lohnt es sich, sich zu diesem Thema zu erkundigen.

Welche (ökologischen) Materialien können für eine Außen- und Innendämmungen genutzt werden?

Bei der Auswahl der Dämmstoffe sollte, wenn möglich, auf ökologische Dämmstoffe gesetzt werden. Die Anforderungen an die Dämmstoffe sind für eine Außen- und Innendämmung unterschiedlich und abhängig vom vorhandenen Wandaufbau. Für eine Außenwanddämmung müssen Materialien gewählt werden, die in das Fassadensystem (Putz, Klinker, Holz, etc.) passen und bei einer Innendämmung müssen zusätzlich Raumklimakriterien beachtet werden.

Die Materialauswahl ist abhängig von den Investitionskosten, Verhalten im Brandfall bzw. Wasserschäden, der Lebensdauer, Robustheit und Ressourcenschonung. Es gibt drei Baustoffgruppen von Dämmungen:

  1. Synthetische Dämmstoffe: EPS (Styropor), XPS, PUR und PIR. Diese Dämmstoffe haben als Ausgangsstoff fossiles Öl und wirken in der Regel wie eine Dampfbremse bzw. -sperre. Hier ist zu beachten, dass diese Dämmstoffe im Brandfall toxisch wirken und zur Ausbreitung von Bränden beitragen. Zusätzlich sind diese Dämmstoffe mit problematischen Brandschutzmitteln behandelt und sollten als Innenräumdämmung eher keine Anwendung finden. Bei engen Platzverhältnissen innen oder auch außen kann aber der Hochleistungsdämmstoff PIR durchaus Sinn machen. Ein Vorteil dieser Dämmstoffe ist die Feuchteresistenz und sind daher auch geeignet für den Kontakt mit Erde.
  2. Mineralische Dämmstoffe: Mineralfasermatten oder Mineralschaumplatten. Diese Dämmstoffe haben als Ausgangsstoff mineralische Stoffe wie z.B. Sand/Glas oder Stein. Je nach Produkt können mineralische Dämmstoffe auch in feuchter Umgebung eingesetzt werden, wie z.B. Schaumglasplatten für die Perimeterdämmung. Mineralische Dämmstoffe sind nicht brennbar und diffusionsoffen.
  3. Nachwachsende Dämmstoffe: Holzfaser, Zellulose, Hanf, Stroh, etc. Diese Dämmstoffe haben die beste Ökobilanz, sind diffusionsoffen und haben in den meisten Fällen einen positiven Einfluss auf das Raumklima. Hierbei sollte aber auch auf Umweltzeichen geachtet werden. Zellulose ist zurzeit vom Materialpreis der günstige Dämmstoff.

Warum kommt es bei nachträglichen Dämmmaßnahmen oft zu Schimmel?

Es hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass nachträglich gedämmte Häuser immer schimmeln. Ein nachträgliches Haus kann schimmeln, aber das ist nur der Fall, wenn die Dämmmaßnahme falsch geplant und/oder fehlerhaft ausgeführt wurde. Eine korrekt geplante und ausgeführte Dämmmaßnahme führt nicht zu Schimmel.

Wichtig zu wissen ist, dass eine Dämmung auch die Luftdichtigkeit des Gebäudes verbessert und deswegen das Lüftungsverhalten angepasst werden muss.

Warum entstehen Algen auf gedämmten Fassaden?

Auf verputzen Fassaden können Algen entstehen. Das ist aber in erster Linie ein ästhetisches Problem und weder eine Beeinträchtigung für die Bausubstanz noch für die Gesundheit. Die Entstehung ist meistens abhängig von der Qualität der verwendeten Gewebe und Außenputze. Ein guter und dicker Außenputz mit hoher Wärmespeicherkapazität und besserem Feuchteausgleichsvermögen bekommt weniger Probleme mit Algen. Außerdem verhindert ein ausreichender Dachüberstand die Entstehung, weil das die Wand trocken hält. Auf der Nordseite kann durch die fehlende Möglichkeit der kompletten Austrocknung Algenbefall nicht verhindert werden.

Es gibt spezielle Farben, die Algenwuchs vermindern sollen. Diese Farben erhalten starke Biozide und sind für Mensch und Umwelt giftig. Diese Biozide können durch Regen ausgewaschen werden und sich daher in unmittelbarer Nähe der Fassade anreichern.

Welche Dämmmaßnahme ist die günstigste?

Nachträgliche Dämmmaßnahme können die Haushaltskasse belasten, aber jede Dämmmaßnahme rechnet sich früher oder später. Hier gilt die Regel, dass eine Dämmmaßnahme immer umfangreich geplant und ausgeführt werden sollte, weil alle folgenden Dämmmaßahmen weniger rentabel sind.

Wenn das Budget begrenzt ist, helfen Einzelmaßnahmen, um die Energieverluste signifikant zu reduzieren. Als Erstes sollte immer der Abschluss des Hauses nach oben gedämmt werden. Das ist entweder das Dach direkt oder die oberste Geschossdecke. Ein leerstehender Speicher kann sehr schnell und günstig mit einer Schüttdämmung aus Zellulose gedämmt werden.

Bei den Wänden kann auch abschnittsweise gearbeitet werden. Zuerst sollte die Nordseite und als letztes die Südseite gedämmt werden. Die Südseite kann in einigen Fällen auch ungedämmt bleiben, weil in der Bilanz die Vorteile der indirekten Wärmegewinnung durch Sonneneinstrahlung überwiegen können.

Über den Autor
Dipl. Ing. Ester Karl
Bauingenieurin & Autorin
Als Bauingenieurin & Bauphilosophin setzt sich Ester für die Themen Nachhaltigkeit & wohngesundes Bauen ein.

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