Schimmel beim Hausbau vorbeugen
30/3/2023

Schimmel beim Hausbau vorbeugen

Jeder kennt Schimmel. Viele zum Glück nur von verdorbenen Lebensmitteln, aber auch einige aus ihren Häusern und Wohnungen. Ein Schimmelpilzbefall sollte nicht unterschätzt werden, weil Schimmelpilze gesundheitliche Probleme auslösen können und Indikatoren dafür sind, dass die Bausubstanz geschädigt wird. Wir erklären euch, was Schimmel ist, wie ihr ihn erkennt, wie Schimmelschäden saniert werden und wie ihr einen Schimmelbefall von vorneherein vermeiden könnt.

Was ist Schimmel?

Schimmelpilze gehören zur Gattung von Pilzen und ziehen die typischen Pilzfäden. Im Sprachgebrauch wird meistens aber nur von Schimmel geredet. In der Natur sind Schimmelpilze ein wichtiger Bestandteil des Kreislaufes, weil sie organisches Material zersetzen. Durch Messungen können, die mit dem Auge nicht sichtbaren Schimmelpilzsporen in der Luft nachgewiesen werden. 

Eine erhöhte Schimmelpilzsporenkonzentration in der Luft ist allerdings ein Anzeichen für ein schlechtes Raumklima und Feuchtigkeit. Die häufigste Ursache von Schimmelpilzen sind Kondensationsschäden in der kalten Jahreszeit. 

Wie gefährlich ist Schimmel?

Bei einem gesunden Immunsystem und bei üblicher natürlicher Schimmelpilzsporenbelastung sind keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten. Kommt es aber zu einem Schimmelpilzbefall im Wohnraum, der die Sporenanzahl um ein Vielfaches erhöht, können akute Gesundheitsgefahren nicht ausgeschlossen werden. Die Sporen können Hautreizungen und Schleimhautreizungen auslösen, aber auch Allergien und Asthma. Menschen, die in schimmelbelasteten Wohnungen leben, haben häufig ein erhöhtes Infektionsrisiko und leiden öfter an akuten Atemwegserkrankungen. Die Schimmelpilzsporen reichern sich auch im Hausstaub an und können vorhandene Atemwegserkrankungen verschlimmern. Bei immungeschwächten Menschen können Schimmelpilze sogar im Körper wachsen. 

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Wie kommt es zu einem Schimmelpilzbefall?

Zu einem Schimmelpilzbefall kommt es durch Feuchtigkeit. Durch die natürliche Anwesenheit von Schimmelpilzsporen in der Luft, finden die Sporen Nährflächen zu wachsen. Dafür muss noch nicht mal das Material selbst feucht sein, sondern es reicht schon eine hohe Luftfeuchtigkeit, die sich auf den Oberflächen absetzt. Generell sollte die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht 65% übersteigen. Ideal für den Menschen ist eine Luftfeuchtigkeit um die 50%.

Die Feuchtigkeit in Räumen kann durch verschiedene Ursachen erhöht sein:

  • Falsches Lüftungsverhalten: Wenn Räume nicht ausreichend gelüftet werden, steigt die Luftfeuchtigkeit allein schon durch die Ausdünstungen des Menschen. Wir verlieren zwischen 0,5 und 6 Litern Wasser am Tag (je nach Tätigkeit und Temperatur), die wir an die Raumluft abgeben. Hinzu kommen Feuchtigkeit durch Duschen, Kochen, Wäsche trocknen, Pflanzen, etc. Daher ist es notwendig, jeden Tag ausreichend zu lüften. 
  • Bauliche Ursachen: Bauliche Ursachen können sehr vielfältig sein. Zum Beispiel kann die Auswahl von Baustoffen mit einem hohen Diffusionswiderstand das Entstehen von Feuchtigkeit begünstigen. Hinzu kommen Wärmebrücken, an denen es zu Tauwasseranfall kommen kann. Wärmebrücken sind Stellen, bei denen die Wärme besser entweichen kann als im allgemeinen Wandaufbau. Das können z.B. die Hausecken durch einen Materialwechsel sein. Die falsche Planung und Ausführung einer Innendämmung kann ebenfalls zu Schimmel führen. 
  • Bauschäden: Ein weiterer Grund für die Entstehung von Feuchtigkeit können Bauschäden sein. Das kann ein Wasserschaden sein, aber auch eine fehlende bzw. fehlerhafte Horizontalsperre im Wandaufbau, beschädigte Dampfbremsen, Risse, etc. 
  • Neubaufeuchte: Viele Baustoffe, wie z.B. Estrich brauchen für die Verarbeitung Wasser. Dieses Wasser muss austrocknen und kann phasenweise zu einer stark erhöhten Luftfeuchtigkeit im Haus führen. Hinzu kommt, dass bestimmte Materialien sehr lange Zeit zum Austrocknen brauchen, wie z.B. Ortbeton, der eine Restbaufeuchte bis zu 10 Jahre haben kann, die bei nicht ausreichender Lüftung zu Schimmel führen kann. Das gilt für den Neubau genauso wie für die Sanierung. Ebenso können durch die Einbaufeuchte von bestimmten Baustoffen die angrenzenden Baumaterialien mit Feuchtigkeit belastet werden. 
  • Unsachgemäßes Heizen: Auch falsches Heizen kann zu Schimmel führen. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft. Das führt dazu, dass sich in Räumen, die nicht ausreichend geheizt werden, mehr Feuchtigkeit auf Oberflächen absetzen kann. 

Wie erkenne ich einen Schimmelpilzbefall?

Schimmel erkennt man an schwarzen, grünen oder gelblichen Flecken auf Oberflächen. Es kann sich auch schon ein watteähnlicher (ggf. weißer) Pilzrasen gebildet haben. Diese Flecken sind oft nur die Spitze des Eisberges und der Schimmelpilzbefall kann schon viel weiter fortgeschritten sein. Ein Schimmelpilzbefall kann sehr offensichtlich an Wänden, Fenstern und Möbeln sein, aber auch versteckt im Wandaufbau, hinter Möbeln und über abgehängten Decken. Wenn der Raum modrig und muffig riecht, dann kann man von einem Schimmelpilzbefall ausgehen. 

Bei der Suche und Erkennung von Schimmelpilzbefall können Experten helfen. Adressen können z.B. beim IBN – Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit oder beim Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V. efunden werden.

Ganz stark vereinfacht kann man sagen, dass wenn Schimmel lokal begrenzt auftritt, dann liegt eher ein Bauschaden oder ein bautechnisches Problem vor. Wenn der Schimmel großflächig an Innen- und Außenwänden auftritt, dann liegt eher ein generelles Feuchtigkeitsproblem vor. Da die Ursachen aber sehr vielfältig sein können, sollte die Ursachen von einem Experten bestimmt werden. 

Ein Experte bzw. eine Expertin kann sicher feststellen, wie stark sich der Schimmelpilz bereits ausgebreitet hat und welche Maßnahmen zu ergreifen sind. 
Ein Experte bzw. eine Expertin kann sicher feststellen, wie stark sich der Schimmelpilz bereits ausgebreitet hat und welche Maßnahmen zu ergreifen sind. 

Wie kann Schimmel beim Hausbau vermieden werden?

Wenn du ein Haus baust, kannst du von vornherein das Schimmelrisiko vermindern. 

Am wichtigsten ist, dass das Haus sorgfältig geplant und ausgeführt wird, damit zumindest Planungs- und Ausführungsfehler als Auslöser ausgeschlossen werden können. Dafür sind vor allem eine gute Wärmedämmung, Vermeidung von Wärmebrücken und die Auswahl von möglichst diffusionsoffenen Baustoffen wichtig. Ebenfalls sollte auf eine ausreichende Luftdichtheit des Hauses geachtet werden, was durch einen Blower Door Test überprüft werden kann. 

Ein wichtiger Punkt ist, das auf eine ausreichende Bautrocknung geachtet wird. Dazu gehört auch, dass während der Bauphase immer ausreichend gelüftet wird und eine Luftfeuchtigkeit unter 65% eingehalten wird. Um die Neubaufeuchte gering zu halten, können Trockenbauweisen ausgewählt werden. 

Wie kann Schimmel bei einer Sanierung vermieden werden?

Für eine Sanierung gilt ebenfalls, dass diese sorgfältig geplant und ausgeführt werden soll. Dabei sollte ein Schwerpunkt auf bestehenden Planungs- und Baufehlern liegen, um diese zu beseitigen. Ganz wichtig ist auch, dass bei Sanierungsarbeiten die bestehende Luftdichtheitsschicht, bzw. Dampfbremsen nicht beschädigt werden. 

Bei einer Sanierung kann es besonders ratsam sein, Trockenbaustoffe und -bauweisen auszuwählen, um einen unnötigen Feuchtigkeitseintrag ins Haus zu vermeiden. 

Wie wird ein Schimmelpilzbefall saniert?

Am wichtigsten ist, dass nicht nur der Schimmelpilzbefall an sich entfernt wird, sondern auch die Ursache. Schimmel sollte nie einfach nur überstrichen werden! Es gilt die Faustregel, dass nur Schimmelpilzbefall unter einer Größe von 0,5 Quadratmeter selbst entfernt werden sollte. Für größere Flächen sollte immer eine Fachfirma hinzugezogen werden. 

Der Schimmelpilz selbst ist empfindlich und kann leicht entfernt werden. Das Problem sind die Millionen von Schimmelpilzsporen, die der Schimmelpilz jede Minute abgibt. Diese Sporen sind extrem widerstandsfähig und können auch unter extremen Bedingungen über Jahre hinweg überleben. Sobald sie wieder die passenden Rahmenbedingungen auffinden, können aus ihnen neue Schimmelpilze wachsen. 

Eine Sofortmaßnahme bei Schimmelpilzbefall ist das Abschotten der Fläche von der Raumluft. Beim Abwischen werden die Sporen aufgewirbelt und zusätzlich im Raum verteilt. 

Fachfirmen benutzen während der Entfernung von Schimmel Schutzkleidung und Unterdruckgeräte, damit sich die Sporen nicht weiter verteilen können. Die befallenen Flächen werden entfernt oder gereinigt. Abschließend werden eine Desinfektion und eine Kontrollmessung durchgeführt. 

Ist die Fläche klein genug, dass du sie selbst behandeln kannst, und nicht auf einen noch bestehenden Baufehler zurückzuführen ist, dann gehe folgendermaßen vor:

  1. Ziehe als Minimum Atemschutz und Handschuhe an.
  2. Befallene lose Teile und Textilien solltest du entsorgen.
  3. Entferne den Schimmel mit Tüchern, dass du umgehend luftdicht entsorgst.
  4. Desinfiziere die Fläche mit reinem Alkohol (z.B. Brennspiritus) und entsorge die verwendeten Tücher luftdicht. Lasse die Wand mindestens 30 Minuten trocknen und wiederhole die Desinfizierung mindestens dreimal. 
  5. Ziehe deine Kleidung am besten draußen aus, wasche sie heiß und dusche gründlich.
  6. Danach sollte die behandelte Stelle offen und sichtbar bleiben, damit sie trocknen kann und du noch eine längere Zeit beobachten kannst, ob der Schimmel wiederkommt. 
  7. Wenn der Schimmel mehrere Tage/Wochen nicht wieder gekommen ist, kannst du die Stelle überstreichen. 

Das Umweltbundesamt hat einen ausführlichen Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierungsbefall in Gebäuden herausgebracht. 

Welchen Einfluss hat das Wohnverhalten auf die Entstehung von Schimmel?

Einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung von Schimmel hat das Wohnverhalten. Dabei können folgende Punkte beachtet werden:

  • Regelmäßiges und ausreichendes Lüften: Dabei sollte auf Dauerlüften durch gekippte Fenster verzichtet werden, sondern regelmäßig stoßgelüftet werden. Lüftungsanlagen können das Lüften durchs Fenster ersetzen.
  • Reduzierung von zusätzlichem Feuchteeintrag: Wäsche sollte nicht in Wohnräumen getrocknet, beim Kochen sollte die Dunstabzugshaube eingeschaltet und nach dem Duschen das Badezimmer nach außen und nicht zu den Wohnräumen hin gelüftet werden. 
  • Die Wohnräume sollten nicht zu sehr auskühlen. 
  • Möbel sollten nur mit Abstand an Außenwände gestellt werden. Gerade bei ungedämmten Gebäuden können Möbel an Außenwänden wie eine zusätzliche Dämmung wirken und zu einem Tauwasseranfall zwischen Wand und Möbelstück führen. Dasselbe gilt für große Bilder und luftdichte Tapeten. 
  • Bei einem Wasserschaden sollte dieser besonders schnell entfernt werden. Am besten sollten am gleichen Tag noch Bautrockner aufgestellt werden.
Über den Autor
Dipl. Ing. Ester Karl
Bauingenieurin & Autorin
Als Bauingenieurin & Bauphilosophin setzt sich Ester für die Themen Nachhaltigkeit & wohngesundes Bauen ein.

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