Lehmhaus: Mit Lehm ökologisch bauen
8.2.2024

Mit Lehm nachhaltig und wohngesund bauen

Bei der Suche nach nachhaltigen und ökologischen Baustoffen greifen immer mehr Bauende zu Lehm. Der fast vergessene Baustoff bietet viele Vorteile, wenn er richtig verbaut wird. Wir erklären dir, welche positiven Eigenschaften Lehm hat, wie er beim Hausbau genutzt werden kann und was ein Lehmhaus kostet. Außerdem beantwortet unsere Expertin Baubiologin und Dipl. Ing. (RWTH) Ester Karl die wichtigsten Fragen zum Lehmbau. 

Was ist ein Lehmhaus?

Mit einem Lehmhaus werden heutzutage Häuser bezeichnet, die zu einem Großteil mit bzw. aus Lehm gefertigt werden. Dabei ist der namensgebende Lehm ein Baustoff, der aus einer Mischung aus Ton, grobkörnigem Sand und Feinstsand (anders genannt Schluff oder Quarzmehl) sowie Kies oder Steinen besteht. Lehm bildet sich aus verwitterten Gesteinen und ist somit ein natürlicher Baustoff.

Neben Häusern, die aus Lehmziegeln oder Stampflehm gebaut sind, existieren Stroh-Lehmhäuser und solche, die Holz und Lehm kombinieren. 

Eine Herausforderung beim Bauen mit Lehm liegt darin, dass nicht alle Lehme gleich sind. Die Zusammensetzung und das Mischungsverhältnis des Baumaterials variieren regional. 

Vorteile und Nachteile von Lehm 

Lehm wird nicht ohne Grund immer häufiger bei Neubauprojekten verwendet, er bietet bei richtiger Verarbeitung viele Vorteile, die aus den natürlichen Eigenschaften des Baustoffs  resultieren: 

Vorteile von Lehm als Baustoff:

  • Regional und natürlich: Lehm ist ein natürliches Material, das in der Umwelt reichlich vorhanden ist. Es ist nicht toxisch und kann oft lokal abgebaut werden, was den ökologischen Fußabdruck reduziert.
  • Gute Wärmespeicherung: Lehm hat eine hohe thermische Masse, was bedeutet, dass es Wärme gut speichern und langsam abgeben kann. Dies trägt zur Energieeffizienz eines Gebäudes bei und kann die Heiz- und Kühlkosten senken.
  • Atmungsaktivität: Lehm reguliert Feuchtigkeit auf natürliche Weise, indem es überschüssige Feuchtigkeit aufnimmt und bei Bedarf wieder abgibt. Dadurch schafft es ein angenehmes und wohngesundes Raumklima.
  • Schalldämmung: Lehmwände bieten eine gute Schalldämmung, was dazu beiträgt, den Lärmpegel in einem Gebäude zu reduzieren.
  • Formbarkeit: Lehm ist formbar und kann leicht in verschiedene Formen gebracht werden, was kreative architektonische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.
  • Recyclebar: Lehm ist unendlich oft wiederverwendbar, recyclebar und hinterlässt keinen Bauschutt.
  • für Allergiker geeignet: Innerhalb des Lehmhauses bildet sich weniger Hausstaub.

Nachteile von Lehm als Baustoff:

  • Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit: Obwohl Lehm Feuchtigkeit gut regulieren kann, kann es bei übermäßiger Feuchtigkeit oder längeren Feuchtigkeitsbelastungen Schaden nehmen. Dies kann zu Rissen oder Verformungen führen.
  • Eingeschränkte Festigkeit und Volumenänderung: Im Vergleich zu modernen Baumaterialien wie Beton oder Stahl hat Lehm eine begrenzte Festigkeit. Es kann zusätzliche Verstärkungen erfordern, um strukturelle Anforderungen zu erfüllen. Dazu kann Lehm bröckeln oder aufgrund seiner Eigenschaften an Volumen verlieren. 
  • keine standardisierte Zusammensetzung: Lehm als Baustoff kann aufgrund seiner Eigenschaften als Naturmaterial von der Zusammensetzung her stark variieren und dementsprechend schwieriger zu verarbeiten sein.  
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Wie kann der Lehm beim Hausbau genutzt werden?

Lehm kann in unterschiedlicher Weise beim Hausbau eingesetzt werden. Lehm muss nicht nur als Putz verwendet werden, sondern kann unter anderem auch im gesamten Bodenaufbau genutzt werden. Zu den häufigsten Verwendungen beim Hausbau in Deutschland zählen: Lehm als Lehmsteine, Lehmputz oder der Stampflehmbau. 

  • Lehmsteine: Lehm kann in verschiedene Formen gepresst werden, z.B. Ziegelsteine, Decken-, Fußbodenelemente und vieles mehr. Nach dem Trocknen kann auf herkömmliche Weise gemauert oder ein Bodenaufbau vorgenommen werden. 
  • Lehmputz: Lehmputz ist streichfähiger Lehm, der vor allem auf Innenwände aufgebracht werden kann. Bauherr:innen können dadurch ein wohngesünderes Raumklima erzeugen.Mit bestimmten Zusätzen kann er auch für den Außenbereich genutzt werden. 
  • Stampflehmbau: Beim Bau mit Stampflehm wird Lehm schichtweise in eine Schalung gegossen, verdichtet und getrocknet. So können ganze Wände entstehen. Diese müssen in der Regel nicht mehr verputzt werden. Um sie als Außenwände zu nutzen, müssen sie jedoch durch (wasserfeste) Anstriche gegen Feuchtigkeit geschützt werden. 

Kostet ein Lehmhaus mehr als ein Massivhaus?

Lehmhäuser kosten im Vergleich zu konventionell gebauten Häusern in der Regel mehr, da diese aufwendiger geplant und meist von Expert:innen aus dem Lehmbau begleitet werden müssen. 

Interview mit Baubiologin und Dipl. Ing. (RWTH) Ester Karl

Expertin und Baubiologin Ester Karl hat sowohl in ihrem eigenen Hausbauprojekt Lehm genutzt als auch viele andere Bauherr:innen über den besonderen Baustoff und seine positiven Eigenschaften aufgeklärt. Auf ihrem Instagram- und TikTok-Kanal empfiehlt sie ihren Follower:innen immer wieder auf den nachhaltigen Baustoff zu setzen. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt: 

Ist das Bauen mit Lehm immer und überall möglich?

Lehm ist ein universeller Baustoff und fast überall auf der Welt in ausreichenden Mengen vorhanden. Theoretisch kann ein ganzes Haus aus Lehm gebaut werden. Da sich Lehm aber nicht so gut mit Regen verträgt und dafür dann zusätzliche konstruktive Maßnahmen notwendig sind, ist Lehm eher für den Innenausbau geeignet. Zu beachten ist auch, dass es mittlerweile eine DIN-Norm für Lehm in tragenden Bauteilen gibt. 

Beim Innenausbau wird Lehm klassisch als Innenputz verwendet. Er lässt sich aber auch gut im Bodenaufbau nutzen.

Was muss ich beim Bauen mit Lehm beachten?

Das Wichtigste beim Bauen mit Lehm ist, dass Bauherr:innen wissen, dass er zwar Luftfeuchtigkeit regulieren kann, sich aber nicht gut mit Wasser verträgt. Also kann Lehm überall da verwendet werden, wo keine große Feuchtigkeit entsteht - also unter anderem nicht im Spritzwasserbereich von Waschbecken oder Dusche. 

Ansonsten ist Lehm ein sehr vielfältiger Baustoff, der in verschiedenen Farben und Oberflächenstrukturen verarbeitet und endlos wiederverwendet werden kann.

Kann ich auch als Laie mit Lehm bauen?

Ja, weil die mögliche Wiederverwendung von Lehm Laien in die Karten spielt. Lehm lässt sich endlos korrigieren und ist daher besonders für Eigenleistungen gut geeignet. 

Außerdem kannst du bei Lehm wenig falsch machen. Es sind keine Sicherheitsvorkehrungen notwendig, Lehm ist nicht reizend, lässt sich gut sauber machen und du kannst mitten in der Arbeit aufhören, ohne Sorge haben zu müssen, dass du Werkzeug und/oder die Wand ruiniert hast. 

Was ist dein Tipp für den Hausbau mit Lehm? 

Ich sage immer: In jedes Haus gehört Lehm! Weil er so unglaubliche gute Auswirkungen auf das Raumklima hat. Lehm ist auch nicht mehr so „angestaubt“ wie früher und es gibt Lehmfarben zum Überstreichen der Erdtöne in allen möglichen Farben. Außerdem muss eine Lehmwand nicht rau sein, sondern kann mit dem passenden Finish modern glatt ausgeführt werden. 

Du solltest dir auf jeden Fall die vielfältigen Möglichkeiten anschauen, die Lehm zu bieten hat, bevor du urteilst!

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Über den Autor
Sabrina Wallbaum
Content- & SEO-Managerin
Sabrina ist für alle Inhalte auf hausbaukurs.de und auf sozialen Medien zuständig. Neben ihrem Fachwissen als Immobilienkauffrau lässt sie in unsere Ratgebertexte jede Menge Leidenschaft für das Schreiben und Recherchearbeit einfließen, sodass unsere Leser:innen immer genau die Infos rund um ihr Anliegen finden, die sie gerade benötigen.

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