Haus günstig bauen: Wie es klappt

Günstig ein Haus bauen: Geht das?

Für Bauherren und -herrinnen mit kleinem Budget wird es immer schwieriger, sich den Traum des eigenen Hauses zu erfüllen. Unmöglich ist es aber nicht – dazu müssen Hausbauende aber jede Menge Eigenleistungen einbringen und die eigenen Erwartungen auf ein Minimum herunterschrauben: Sonderausstattung und Co. müssen dann erstmal warten. 

Fertighaushersteller und Baupartner bieten mit Ausbau-, Mitbau- oder Bausatzhäusern die Grundlage für den Hausbau, der dann mit eigener Muskelkraft gestemmt wird. Wer bei der möglichst günstigsten Ausstattung und der einfachsten Ausbaustufe bleibt, der kann sich das Eigenheim teilweise für 100.000 bis 150.000 Euro Baukosten verwirklichen. 

Wie berechne ich den Baupreis für mein Haus?

Beim Hausbau fallen viele Arbeiten an. Entsprechend zahlreich und unterschiedlich sind auch die Kostenfaktoren, die berücksichtigt werden müssen. In der Regel werden die Kosten für den Rohbau, die Heizungs- und Sanitärinstallationen, das Dach und den Innenausbau pro Quadratmeter Wohnfläche berechnet. 

Dann machen Ausstattung, Bundesland und Bauweise weitere Faktoren aus, die den Baupreis höher oder geringer ausfallen lassen können. In Bayern müssen Hausbauende zum Beispiel mit durchschnittlichen Baukosten von circa 2.280 Euro pro Quadratmeter rechnen. In Bremen sieht das schon wieder anders aus – hier reichen circa 1.500 Euro pro Quadratmeter als Kalkulationsbasis aus (Quelle: Statistisches Bundesamt, Statista, Stand 2020).  

Ob ein Keller gebaut wird oder nicht ist natürlich eine weitere Kostenfrage. Ohne Keller lässt sich das Bauprojekt wesentlicher günstiger verwirklichen. Neben den reinen Baukosten fallen aber auch die Kosten für die Finanzierung und die laufenden Kosten für Versicherungen und Co. an, die in den Berechnungen nicht vergessen werden sollten. 

Welche Bauweise bei kleinem Budget?

Abgesehen von der Region und der Ausstattung macht die Bauweise einen entscheidenden Faktor für die Kosten beim Hausbau aus. Wer sich ein extravagantes Architektenhaus oder einen Massivbau wünscht, der muss in der Regel etwas tiefer in die Tasche greifen als bei einem Fertighaus. Hier werden die vorgefertigten Teile zur Baustelle geliefert und vor Ort zusammengesetzt. Das geht besonders schnell und ist unkompliziert.

Viele Fertighaushersteller bieten für ihre Häuser verschiedene Ausbaustufen an, so können Bauherren und -herrinnen besonders viel Geld einsparen. 

  • Bausatzhaus: Hier gibt es das größte Einsparpotential für Hausbauende – Denn die Hausbauenden erhalten nur die Materialien und den Rest übernehmen die Bauherren und -herrinnen selbst. Teilweise gibt es spezielle Workshops vorab, die zeigen, wie der Hausbau funktioniert. Bei dieser Ausbaustufe ist viel handwerkliches Können und Zeit gefragt, dafür werden Hausbauende aber mit einem hohen Einsparpotenzial belohnt. 
  • Ausbau-/Mitbauhaus: In der Regel erwartet Bauherren und -herrinnen beim Mitbauhaus ein wetterfester Rohbau mit Dach, bei dem „nur noch“ der vollständige Innenausbau in Eigenleistung übernommen werden muss. Was genau vom Baupartner erledigt wird, ist im vorher vereinbarten Vertrag festgelegt. Je nach handwerklichen Fähig- und Fertigkeiten der Hausbauenden können so Fliesen verlegt, Innenwände gesetzt oder Treppen eingebaut werden.  
  • Schlüsselfertiges Haus: Welche Arbeiten bei einem schlüsselfertigen Hausbau durch den Anbieter abgedeckt werden, ist von Baupartner zu Baupartner unterschiedlich. Grundsätzlich bedeutet „schlüsselfertig“ aber, dass kleinere Arbeiten im Innenbereich wie Tapezieren, Boden verlegen oder Streichen noch in Eigenleistung erledigt werden müssen. Teilweise kann es aber auch bedeuten, dass Hausbauende direkt einziehen können. Hier gilt es auf jeden Fall zweimal im Vertrag nachzuschauen, was „schlüsselfertig“ beim jeweiligen Anbieter bedeutet. 

Was sind die Vor- und Nachteile eines Ausbau- oder Mitbauhauses?

Mithilfe eines Ausbauhauses können Bauherren und -herrinnen jede Menge Geld einsparen, wenn sie (ein wenig) handwerkliches Geschick mitbringen. Beim Ausbauhaus wird den Hausbauenden das äußere Gerüst des Traumhauses mit Wänden, Fenstern, Haustür und vormontierten Versorgungsrohren geliefert. Den Innenausbau mit Elektroinstallationen, Sanitär-, Maler- und Bodenlegearbeiten übernehmen die Hausbauenden selbst.

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VorteileNachteile
Für kleines Budget geeignetHoher Zeitaufwand
Eigene Wünsche und Vorstellungen können im Innenausbau umgesetzt werdenEigene Arbeiten können länger dauern als bei Handwerker/Handwerkerinnen
Hausbauende bestimmen Ablauf und Zeitplan der ArbeitenKeine Gewährleistung bei Fehlern
Große Auswahl an Bauweisen und AnbieternEigene handwerklichen Fähigkeiten könnten überschätzt werden

Ohne Eigenleistung geht’s nicht!

Ein günstiges Haus zu bauen bedeutet zwangsläufig, so viele Arbeiten wie möglich selbst zu übernehmen. Baupartner oder Handwerksunternehmen kosten mit ihrer Fachexpertise, der Anfahrt und Co. mehr. Das belastet das Hausbaubudget zusätzlich. Bauherren und -herrinnen, die den Bau in Eigenleistung realisieren, sollten aber handwerkliches Know-how und viel Zeit mitbringen. Allein dauert der Bau in der Regel um ein Vielfaches länger als mit entsprechenden Profis. Außerdem müssen Hausbauende die Doppelbelastung von Familie, Beruf und Bau einkalkulieren. Tipps für einen stressfreien Bau haben wir auch für dich parat. 

Mit den eigenen Arbeiten fallen dann nur die Materialkosten an, die Mann oder Frau auch gering halten können, wenn sie auf Angebote, Restposten und andere Schnäppchen zurückgreifen. 

Dennoch gilt die Devise: Bauherren und -herrinnen sollten ihre eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen und vor allem an Elektroarbeiten, Heizungs- und Sanitärinstallationen nur Profis lassen. Fehlerhafte Arbeiten in diesen Bereichen sind nicht nur sehr gefährlich, sondern verursachen gegebenenfalls auch unnötige Kosten. 

Haus möglichst günstig bauen: Tipps 

Auch mit einem kleinen Budget ist es möglich, ein Haus zu bauen. Bauherren und -herrinnen müssen hier aber Geduld und Zeit mitbringen, denn nicht nur Eigenleistungen sind gefragt…Erfahre in unseren Tipps, wie es klappt.

Tipp 1: Auf´s Grundstück achten

Grundvoraussetzung für den Hausbau ist ein passendes Grundstück. Hier sollten Hausbauende auf die Bodenbeschaffenheit und die Bebaubarkeit des Baulands achten. Ist das Erdreich besonders fest oder vorbelastet durch Altlasten und Co. kann das höhere Kosten hinsichtlich der Bebauung bedeuten. Müssen Bäume oder sogar alte Häuser vom Grundstück entfernt werden, kann das richtig teuer werden. Im besten Fall ist das Grundstück direkt erschlossen, sodass hier keine weiteren Kosten entstehen. Auch wenn die Grundstückssuche in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden ist, sollten Hausbauende nicht das erstbeste Grundstück nehmen. 

Tipp 2: Den Keller weglassen

Ein Keller hat viele Vorteile, aber auch einen großen Nachteil, und zwar die Baukosten für das untere Geschoss. Um Geld einzusparen, sollten Hausbauende deswegen auf den Keller verzichten. Es sei denn, das Kellergeschoss soll als zusätzlicher Wohnraum zum Beispiel für eine Einliegerwohnung genutzt werden. Bei Kosten von circa 15.000 bis 50.000 Euro sollten Hausbauende abwägen, ob die Vorteile eines Kellers überwiegen.

Tipp 3: Weniger ist mehr

Die Baukosten für das Traumhaus werden anhand der Quadratmeterzahl der Wohnfläche berechnet. Bauherren und -herrinnen, die Geld einsparen wollen, sollten deswegen auf kompakte und clevere Grundrisse setzen, die mit wenig Wohnfläche auskommen. „Wie viel Wohnfläche brauche ich wirklich?“ Diese Frage sollten sich Hausbauende stellen. 

Außerdem werden durch offene Raumkonzepte kostspielige Türen, Zwischenwände und Co. überflüssig. 

Tipp 4: Kompakte Außenhülle

Genau wie bei zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen oder luxuriösen Extrawünschen kosten auch Gestaltungen im äußeren Bereich des Hauses extra. Sei es ein Balkon, Gauben oder Erker – je aufwendiger, desto teurer. Deswegen sollte die Gebäudehülle so schlicht wie möglich gestaltet werden, um zusätzliche Kosten einzusparen. 

Tipp 5: Auf standardisierte Ausstattung setzen

Hochwertige Badezimmerausstattungen, eine extravagante Dacheindeckung oder eine hausgroße Fensterfront: Bei solchen Sonderwünschen oder gehobenen Ausstattungen sollten Bauherren und -herrinnen mit kleinem Budget eher zurückhaltend sein. Um sich ein günstiges Haus zu bauen, ist es am besten, immer die einfachste Ausstattung zu nehmen. Die sind in der Regel auch die preisgünstigeren Varianten. Bei einigen Fertighausherstellern ist die einfache Ausstattung der Standard, sodass durch die Wahl dieser Ausstattung auch noch mal gespart werden kann. 

Wer erst mal auf gebrauchte oder ältere Einrichtungsgegenstände und auf Schnäppchen für Bodenbeläge, Küche und Co. setzt, der kann im Nachhinein neue Möbel dazu kaufen, wenn das Budget durch Sparen wieder aufgestockt ist. 

Tipp 6: Einfache Haustechnik wählen

Es muss nicht immer das voll vernetzte Smart Home oder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sein − es reicht auch eine einfache Haustechnik, um entspannt wohnen zu können. Je aufwendiger die Haustechnik, desto mehr Platz muss auch dafür eingeplant werden. Für Pelletheizung, Ölheizung und andere Heizungsarten werden Tanks oder Lagerräume benötigt. Wenn es keinen Keller gibt, müssen diese im Hauswirtschaftsraum oder anderweitig untergebracht werden. 

Tipp 7: Garten und Außenanlage müssen warten

Allein mit dem Hausbau ist es nicht getan, auch die Außenanlage, der Garten, die Garage und vieles mehr müssen geplant und gebaut werden. Das belastet das Budget zusätzlich. Eine Garage kann mit bis zu 20.000 Euro zu Buche schlagen, weswegen Hausbauende genau überlegen sollten, ob diese Investition direkt notwendig ist. In der Regel kann auch erstmal eine günstigere Übergangslösung geschaffen werden.

Auch Beete, Rasen und Wege müssen nicht zwangsläufig mit dem Hausbau abgeschlossen sein. Bauherren und -herrinnen können das Umgraben, Pflanzen und Setzen ruhig auf den nächsten Frühling verschieben. Wenn das Haus steht, wird die Außengestaltung für die Hausbauenden stressfreier. 

Tipp 8: Doppelhaus statt Einfamilienhaus

Gemeinsam mit weiteren Bauherren und -herrinnen kann Mann oder Frau beim Bau eines Doppelhauses sparen. Gibt es Freunde, Familie oder Bekannte, mit denen der Bau realistisch wäre? Dann können sich Bauherren und -herrinnen nämlich die Kosten für den doppelten Bau teilen: Ein Bagger für die Erdbauarbeiten, ein Kran und weniger Baumaterial durch die gemeinsam geteilte Außenwand. Insgesamt können so Planungskosten, Baumaterial und Kosten für Geräte und Maschinen eingespart werden. 

Ist günstiges Bauen möglich?

Prinzipiell können sich Hausbauende auch günstig ihren Traum vom Haus erfüllen. Niedrige Baukosten sind aber nur realistisch, wenn bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Allen voran heißt es für die Bauherren und -herrinnen kleiner und einfacher denken. Sonderwünsche und Extra-Ausstattungen müssen erstmal hinten angestellt werden. Teilweise können sie aber im Nachhinein noch verwirklicht werden. Am besten ist es, wenn die Voraussetzungen dafür schon geschaffen werden (z. B. Verlegen von Leerrohren usw.). 

Außerdem müssen Bauherren und -herrinnen eigene Zeit und Muskelkraft ins Bauprojekt stecken, denn ohne Eigenleistung geht der günstige Bau nicht. Dabei sollten Hausbauende aber ihre eigenen Fähigkeiten nicht überschätzen und an wesentliche Arbeiten nur Fachkräfte lassen. Mit diesen Faktoren ist auch der Bau mit kleinem Budget möglich.

Veröffentlicht am 
24.2.2022

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