Baustelleneinrichtung: Regelungen, Kosten und Pflichten

Baustelleneinrichtung: Regelungen, Kosten und Pflichten

Der Plan für das Traumhaus steht und alle Voraussetzungen für das Projekt sind erfüllt, dann kann es endlich mit dem Bau losgehen. Doch bevor Hausbauende den ersten Spatenstich setzen können, muss die Baustelle unter anderem mit dem notwendigen Equipment eingerichtet werden. Die sogenannte Baustelleinrichtung ist für einen reibungslosen Ablauf unabdingbar. Was zur Baustelleneinrichtung gehört und welche Pflichten Bauherren und -herrinnen in dieser Hinsicht haben, erfährst du hier. 

Was ist die Baustelleneinrichtung? 

Mithilfe der Baustelleneinrichtung wird der künftige Arbeitsplatz für alle Beteiligten und das Grundstück für den Bau vorbereitet. Eine vollständige Baustelleneinrichtung ist wichtig, damit das Bauvorhaben ohne zeitliche Verzögerung und reibungslos abläuft. Fehlen Materialien, Maschinen oder Baustoffe müssen einzelne Arbeiten womöglich gestoppt werden. Das sollte mit der richtigen Planung vermieden werden. Zusätzlich zu den Materialien und Geräten muss die Strom- und Wasserversorgung, der Arbeitsschutz und die Zuwege bei der Baustelleneinrichtung berücksichtigt werden.

Welche Regelungen müssen eingehalten werden?

Einfach so eine Baustelle einrichten, ist nicht möglich. Bauherren und -herrinnen müssen sich dabei an die gesetzlichen Vorschriften aus der Baustellenverordnung (kurz: BaustellV) orientieren. Hier ist vor allem geregelt, wie der Arbeitsschutz und die Sicherheit aller auf dem Bau Beteiligter zu gewährleisten ist. Durch die Baustellenverordnung werden alle Rahmenbedingungen des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG), der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und der Verkehrssicherungspflicht festgesetzt. Diese müssen von den Bauherren und -herrinnen umgesetzt werden. 

  • Arbeitsschutzgesetz: 

Oberste Priorität hat die Unfallverhütung und die Risikominimierung für die am Bau Beteiligten. Dafür sind Maßnahmen durchzusetzen, die die Gesundheit und die Sicherheit der Arbeiter und Arbeiterinnen gewährleisten. 

  • Arbeitsstättenverordnung: 

Der Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin muss Flucht- und Rettungswege bereitstellen, die zu jeder Zeit frei begehbar sind. Außerdem muss vollständiges Erste-Hilfe-Material zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sind geeignete Aufenthaltsräume für Pausen und Sanitäranlagen für die Arbeiter bzw. Arbeiterinnen zu errichten. 

  • Verkehrssicherungspflicht: 

Für alle am Bau Beteiligte muss es möglich sein, die Baustelle unversehrt zu verlassen. Außerdem muss die Baustelle so abgesichert werden, dass unbefugte Dritte diese nicht betreten können. 

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Wer ist für die Baustelleneinrichtung verantwortlich?

In der Regel ist der Bauherr bzw. die Bauherrin für die Einrichtung der Baustelle verantwortlich. Um allen Aufgaben sowie Pflichten gerecht zu werden und sein eigenes Risiko zu minimieren, sollten Hausbauende die Baustelleneinrichtung im Bestfall einem fachkundigen Dritten überlassen. Die Baustelleneinrichtung kann beispielsweise vom Bauunternehmen mit allen notwendigen Maßnahmen übernommen werden. Entsprechende Vereinbarungen sind im Bauvertrag zu treffen. 

Wird die Pflicht zur Baustellenerrichtung an einen Dritten übertragen, geben Hausbauende ihre Verantwortung jedoch nicht vollständig ab. Sie sind weiterhin dazu verpflichtet, die ordnungsgemäße Ausführung und Einhaltung der Vorschriften regelmäßig zu überprüfen. Erkennen Bauherren und -herrinnen vor Ort, dass nicht alle Risiken beseitigt worden sind, haben sie darüber hinaus die Pflicht, die beauftragte Firma, um Nachbesserung anzuhalten.  

Wer gemeinsam mit Freunden, Familie und Bekannten baut, der ist als Bauherr oder Bauherrin allein dafür verantwortlich, dass sich keiner verletzt und die Helfer bzw. Helferinnen ausreichend abgesichert sind. 

Wie wird die Baustelleneinrichtung vorbereitet?

Bevor die eigentliche Baustelle eingerichtet werden kann, müssen verschiedene Vorbereitungsmaßnahmen durchgeführt werden: 

  • Vorhandene Altlasten auf dem Grundstück müssen entfernt werden (evtl. Erstellung eines Bodengutachtens)
  • Baumschutzsatzung beachten und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen leisten oder Bäume und Sträucher entfernen
  • Ggf. Sondergenehmigungen einholen (falls Baukran oder sonstige Geräte auf dem Bürgersteig oder im öffentlichen Straßenbereich platziert werden müssen)
  • Baustrom und Bauwasseranschluss beantragen
  • Zufahrten einrichten
  • Baustelleinrichtungsplan erstellen
  • Absteckung wichtiger Punkte durch den Vermesser bzw. die Vermesserin

Der Baustelleneinrichtungsplan ist ein wichtiges Planungsinstrument für deine Baustelle. Hier werden bei einer Ortsbegehung mit den Baupartnern und ggf. den Hausbauenden wichtige Informationen über die Bodenverhältnisse und die Abstellmöglichkeiten auf dem Grundstück gesammelt. Wo sollen Lkws und Co. abladen, wo kommen Container für die Handwerker bzw. Handwerkerinnen hin oder wo wird der Baustrom- und Bauwasseranschluss installiert – all diese Faktoren werden besprochen und in einem Lageplan des Grundstücks maßstabsgetreu eingezeichnet. Mit dem Baustelleneinrichtungsplan und den abgesteckten Punkten wissen alle auf dem Bau Beteiligten, wo was gelagert oder platziert werden muss. 

Was wird auf der Baustelle benötigt?

Nicht in jeder Phase des Hausbaus wird ein Kran oder schweres Gerät benötigt − deswegen ändern sich die Bestandteile der Baueinrichtung je nach Bauphase bzw. -fortschritt. Zur Errichtung des Rohbaus wird in der Regel ein Baukran benötigt, beim Innenausbau kommen wiederum andere Materialien und Geräte zum Einsatz. Mithilfe des Baustelleneinrichtungsplans prüft der Bauleiter bzw. die Bauleiterin was benötigt wird und zu welchem Zeitpunkt. So hat er oder sie immer einen guten Überblick über die Rahmenbedingungen. Grundsätzlich sollte auf der Baustelle unter anderem vorhanden sein: 

  • Zufahrts-, Rettungs- und Fluchtwege 
  • Lagermöglichkeiten für Werkzeuge, Baustoffe und Materialien
  • Pausen- bzw. Aufenthaltsräume für alle am Bau Beteiligte
  • Sanitäreinrichtungen
  • Wasser-, Strom- und Gasversorgung
  • Alle benötigten Maschinen und Geräte (Bagger, Kran, Gerüste, Aufzüge) 
  • Bauleiterbüro

Besonderes Augenmerk wird auf die Sicherung der Baustelle gelegt. Hier müssen die Verantwortlichen unter anderem für folgende Maßnahmen sorgen: 

  • Bauzaun
  • Baustellenbeschilderung
  • Baustellenbeleuchtung
  • Schutz vor Witterung
  • Gewässerschutz
  • Baumschutz
  • Nachbarschaftsschutz
  • Leitungsschutz
  • Brandschutz
  • Erste-Hilfe-Material mit wichtigen Telefonnummern

Wie viel kostet die Baustelleneinrichtung?

Grundsätzlich müssen Hausbauende für die Einrichtung der Baustelle mit Kosten von circa 5-10 Prozent der Gesamtkosten rechnen. Bei einem Bauvorhaben in Höhe von 300.000 Euro bedeutet das Kosten von circa 15.000 bis 30.000 Euro für die Baustelleneinrichtung. Aber eine pauschale Antwort auf die Kostenfrage gibt es nicht. Verschiedene Faktoren wie zum Beispiel die Dauer der Baumaßnahme oder die benötigten Maschinen und die Gegebenheiten vor Ort wie die Bodenbeschaffenheit und Zugänglichkeit bestimmen letzten Endes den Preis für die individuelle Baustelleneinrichtung. 

Je aufwendiger und länger das Bauvorhaben, desto höher sind in der Regel die Kosten für die Baustelle. Kommt es zu Verzögerungen, müssen Hausbauende mit höheren Kosten für Baukran und Co. rechnen, deswegen ist es wichtig, dass von Anfang an alles bedacht wird. 

Vor Baubeginn können Hausbauende eine Vor-Ort-Begehung mit Profis oder der beauftragten Baufirma durchführen, um die Kosten gut kalkulieren zu können. Werden Baufirmen mit der Baustelleinrichtung beauftragt, finden Bauherren und -herrinnen die aufgelisteten Kosten teilweise in den Angeboten unter entsprechendem Posten wieder. Diese Auflistung muss aber nicht immer vollständig sein. Hier lohnt sich dann die genaue Nachfrage.

Veröffentlicht am 
Mar 25, 2022

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