Barrierefreies Wohnen & Bauen: 10 Maßnahmen

Barrierefreies Wohnen und Bauen für die Zukunft 

Ein Großteil der Menschen baut sich ein eigenes Haus, um dort bis ins hohe Alter leben zu können. Deswegen sollten Bauherren und -herrinnen schon während des Hausbaus an das barrierefreie Wohnen für die Zukunft denken. Unter anderem erleichtern breitere Türeingänge, größere Freiflächen in Küche und Bad sowie rutschfeste Fliesen den Alltag für körperlich eingeschränkte Menschen. Darüber hinaus gibt es noch andere Maßnahmen, die beim (Um-)Bau des Eigenheims bedacht werden können, um auch mit fortschreitendem Alter möglichst lange selbstständig zu bleiben. 

Was bedeutet barrierefreies Wohnen und Bauen?

Durch den demografischen Wandel wird es in den nächsten Jahren eine immer größer werdende Zahl an älteren Menschen geben, die körperlich eingeschränkt sind. Um diesen geeigneten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wird das flächendeckende barrierefreie Wohnen benötigt. Durch barrierefreie Wohnungen und Häuser kann sichergestellt werden, dass körperlich eingeschränkte Menschen eigenständig Wohnen können, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Barrierefreiheit kann durch ebenerdige Duschen, Handläufe an Treppen und andere Maßnahmen realisiert werden.

Viele Menschen denken, dass barrierefreies Wohnen gleichbedeutend mit dem behindertengerechten Wohnen ist. Dem ist aber in der Regel nicht so. Barrierefreies Wohnen heißt nicht unbedingt, dass die Wohnung oder das Haus rollstuhlgerecht ist. Wendekreise für Rollstuhlfahrer oder die Türbreite sind beim behindertengerechten Wohnen anders definiert. Alle Vorgaben dazu finden Interessierte in der DIN-Norm 18040.

Welche Richtlinien gibt es für das barrierefreie Wohnen?

Das barrierefreie Wohnen und Bauen wird in der DIN-Norm 18040-2 festgelegt. Die darin angegebenen Vorgaben müssen aber aktuell nicht zwingend umgesetzt werden, obwohl einige Bundesländer bereits Teile der Richtlinie in ihre Baugesetze übernommen haben. Hier müssen sich Bauende dann an die Vorgaben halten. 

Bauherren und -herrinnen finden in der Norm unter anderem Angaben zu Mindestabständen, zur Planung von Türen, Treppen und Fenstern sowie Tipps zu barrierefreien Einbauten. 

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10 Maßnahmen für das barrierefreie Wohnen und Bauen

Beim (Um-)Bau des Hauses zu einem barrierefreien Gebäude gibt es verschiedene Maßnahmen, die mehr oder weniger Kosten und Aufwand für den Bauenden bedeuten. 

1. Freifläche einplanen

Egal ob in der Küche, im Bad oder im Schlafzimmer – Menschen mit Rollstuhl oder Rollator benötigen eine große Freifläche, um sich uneingeschränkt bewegen zu können. Deswegen sollte schon während des Hausbaus darauf geachtet werden, dass genügend Raum bleibt, um unter anderem mit dem Rollstuhl wenden zu können. Das ist besonders in der Küche und im Badezimmer wichtig. Darüber hinaus sollten keine Hindernisse wie Bodenerhöhungen und Absätze den Weg versperren.

2. Sichere Treppen

Am barrierefreiesten ist natürlich der Bau eines Hauses ohne Treppen. Möchte oder kann Mann oder Frau allerdings nicht auf die Treppe verzichten, sollte eine gerade verlaufende Treppe gewählt werden. Diese ist einfacher zu begehen als Wendeltreppen. Darüber hinaus sollten Bauende bei der Planung darauf achten, dass die Treppe breiter als normal gebaut wird, da so bei Bedarf ein Treppenlift nachgerüstet werden kann. Um die Sicherheit beim Treppensteigen zu erhöhen, können passende Handläufe angebracht und eine flächendeckende Beleuchtung der Stufen ermöglicht werden. Leuchten können zum Beispiel mit einem Bewegungsmelder ausgestattet werden. 

3. Ebenerdige Dusche und Einstiegshilfen

Für einen körperlich eingeschränkten Menschen ist der alleinige Einstieg in eine Badewanne oder eine erhöhte Dusche unmöglich. Deswegen sollten Bauende darauf achten, dass Duschen ebenerdig gebaut oder Badewannen mit einer Einstiegshilfe ausgestattet werden. Außerdem sollten geeignete Halterungen in Dusche und Badewanne vorhanden sein, um Stürze, zum Beispiel bei Nässe, zu verhindern.

4. Einbau auf Sitzhöhe

Elektrogeräte in der Küche sollten auf Sitzhöhe eingebaut werden, um das tägliche Kochen zu erleichtern. Des Weiteren sollten alle Einbauten wie Armaturen oder Wasserhähne aus dem Sitzen bequem greifbar sein. Dazu zählen auch Hand- und Fenstergriffe.

5. Absenkbare Arbeitsflächen und Schränke

Um allen Bewohnern und Bewohnerinnen des Hauses die Möglichkeit zu bieten, die Funktionen der Küche, des Bades oder des Schlafzimmers optimal zu nutzen, sollten absenkbare Arbeitsflächen und Schränke eingebaut werden. Diese lassen sich immer auf die individuelle Höhe einstellen und erleichtern das Kochen, Waschen und Anziehen. Im Schlafzimmer sind zusätzlich ausklappbare Kleiderstangen möglich. 

6. Bodenbeläge: rutschfest und befahrbar

Damit Unfälle im Haus oder der Wohnung vermieden werden, sollten alle Böden rutschfest und mit einem Rollstuhl gut zu befahren sein. Teppichboden oder Teppiche im Haus erschweren das Fahren mit dem Rollstuhl. Auf glatten Oberflächen, vor allem im Badezimmer, könnten ältere Menschen ausrutschen. Deswegen sollte hier auf rutschfeste Fliesen gesetzt werden. 

7. Türen und Fenster ohne Absatz

Die Eingangstür sowie die übrigen Türen im Haus sollten problemlos mit dem Rollstuhl oder Rollator zu befahren sein. Das gilt ebenso für bodentiefe Fenster zur Terrasse oder Ähnlichem. Auf Türschwellen oder Absätze sollte dementsprechend verzichtet werden. Türdurchgänge sollten mit einer Mindestbreite von 90 cm geplant werden. 

8. Barrierefreie Wege und Einfahrt

Barrierefreies Bauen und Wohnen muss ebenso im Außenbereich umgesetzt werden. Wege und Einfahrten sollten befestigt und ausreichend breit sein. Eine ausreichende Beleuchtung verhindert Unfälle im Dunkeln. Außerdem ist es wichtig, dass keine Treppen oder Absätze zur Haustür führen. Diese können aber notfalls mit einer Rampe nachgerüstet werden. 

9. Smarte Hilfen

Mit smarten Lichtschaltern, Steckdosen oder Elektrogeräten können körperlich eingeschränkte Menschen entlastet werden. Zum Beispiel kann die Temperatur von allein geregelt werden oder Küchengeräte per App ganz einfach immer und überall abgeschaltet werden. Smart Homes lassen sich auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner und Bewohnerinnen einstellen. 

10. Unterfahrbare Möbel

Bei der Auswahl der Möbel ist darauf zu achten, dass sie höhenverstellbar und unterfahrbar sind.

Fazit: Heute schon an morgen denken 

Grundsätzlich ist zu sagen: Wer gleich beim Bau des eigenen Hauses an die Zukunft denkt, kann die teureren nachträglichen Umbauten im Alter umgehen. Aber nicht jede Umbaumaßnahme bedeutet gleich hohe Kosten bzw. einen hohen Aufwand. Hausbesitzer und -besitzerinnen, die ihr Eigenheim nachrüsten müssen, können auch schon mit kleinen Umbauten, wie zum Beispiel einer Einstiegshilfe in die Badewanne oder mit einem Handlauf im Treppenhaus, die Wohnqualität verbessern.

Veröffentlicht am 
12.8.2022

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