Baufinanzierung für Selbstständige - so gelingt sie!

Baufinanzierung für Selbstständige und Freiberufler: Was muss ich beachten?

Eine Baufinanzierung ist sowohl für die Bank, die das Darlehen vergibt, als auch für die Darlehensnehmer und -nehmerinnen ein finanzielles Risiko. Besonders schwer haben es dabei Selbstständige und Freiberufler, eine Baufinanzierung zu bekommen. Sie gehören durch schwankende und unsichere Einnahmen nicht zum bevorzugten Klientel der Banken. Dennoch haben auch sie die Möglichkeit, sich den Traum der eigenen vier Wände zu erfüllen. 

Bekomme ich als Selbstständige oder Freiberuflerin immer eine Baufinanzierung?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. In der Regel ist es auch für Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler bzw. Freiberuflerinnen möglich, eine Baufinanzierung oder einen Immobilienkredit zu erhalten. Allerdings kann die Suche nach einer passenden Bank und einem Finanzierungsangebot ein wenig umfangreicher und länger sein, um die besten Konditionen zu erhalten. 

Dazu kommt, dass die Banken nicht alle Freiberufler und Selbstständige gleich bewerten. Einige selbstständige Berufsgruppen zum Beispiel Ärzte, Rechtsanwälte oder Journalisten erhalten eher eine Baufinanzierung als Handwerkerinnen. Das liegt daran, dass das Baugewerbe ein besonders hohes Risiko für Insolvenz, Saisonarbeit und Co. hat und deswegen tendenziell unsicherer ist. 

Warum ist es für Selbstständige und Freiberufler schwerer, eine Baufinanzierung zu erhalten?

Banken und Kreditinstitute gehen mit einer Baufinanzierung aufgrund der hohen Summen ein finanzielles Risiko ein. Dementsprechend wünschen sie sich Darlehensnehmer und -nehmerinnen, die über ein gesichertes und regelmäßiges Einkommen verfügen, was zum Beispiel bei Angestellten mit einem unbefristeten Vertrag oder einer Person im Beamtenverhältnis der Fall ist. Für Selbstständige und Gewerbetreibende ist es schwieriger, so ein Einkommen nachzuweisen, weswegen das Risiko für die Bank steigt, dass der Immobilienkredit womöglich nicht dauerhaft abgezahlt werden kann. 

Zusätzlich fällt der Verwaltungsaufwand für die Banken ins Gewicht, der bei der Sichtung und Prüfung der Unterlagen der Einkommensverhältnisse der Selbstständigen wesentlich höher ist als bei Angestellten oder Beamten. Viele Banken schrecken davor zurück und lehnen deswegen häufiger die Baufinanzierung für diese Berufsgruppen ab. 

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Was ist anders bei einer Baufinanzierung für Selbstständige und Freiberufler?

Nicht nur, dass Selbstständige und Freiberufler in der Regel weniger häufig eine Baufinanzierung erhalten, sie müssen auch mit anderen Konditionen rechnen als Angestellte. Die Bank lässt sich das erhöhte Risiko eines Zahlungsausfalls nämlich durch höhere Zinsen oder Sicherheitsabschläge bezahlen. 

Außerdem erstreckt sich der Verwaltungsaufwand teilweise über einen längeren Zeitraum, da Selbstständige und Co. erst auf die am Jahresende erstellen Jahresabschlüsse, Bilanzen oder Gewinn- und Verlustrechnungen warten müssen. Die Prüfung der Unterlagen stellt ebenfalls für beide Seiten einen großen Aufwand dar. 

Bei einer Baufinanzierung sollten diese Berufsgruppen darauf achten, dass der Darlehensvertrag flexible Tilgungsmöglichkeiten zulässt. Aufgrund der schwankenden Einnahmen kann es sein, dass zum Beispiel einmal im Quartal eine hohe Summe zur Verfügung steht, die zur Tilgung des Darlehensbetrag genutzt werden kann. Diese Sondertilgungen sollten selbstständigen und freiberuflichen Darlehensnehmer und -nehmerinnen im besten Fall kostenlos zur Verfügung stehen. 

Bei welchen Banken erhalten Selbstständige und Freiberuflerinnen eine Baufinanzierung?

Damit es mit der Baufinanzierung auch für Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler klappt, muss die passende Bank gefunden werden. Der erste Weg für Kreditinteressierte sollte deswegen zu regionalen Sparkassen oder Genossenschaftsbanken führen. Vor allem wenn eine dieser Banken die Hausbank ist, haben Selbstständige und Gewerbetreibende gute Chancen auf eine Baufinanzierung. 

Was muss ich als Selbstständige oder Freiberuflerin beachten, um eine Baufinanzierung zu bekommen?

Auch für Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende ist es möglich, eine Baufinanzierung zu erhalten. Im Vorfeld können sie aber einiges dafür tun, dass die Baufinanzierungsanfrage tendenziell positiv ausfällt. Dazu gehört unter anderem: 

  • Stabile Einnahmen: Im besten Fall weisen Selbstständige und Freiberuflerinnen stabile und wachsende Einnahmen auf, die seit mehr als drei Jahren bestehen. 
  • Bereitstellung der Unterlagen und Nachweise: Hausbauende und -kaufende können den Prüfungsprozess bei Kreditvergabe unterstützen, wenn sie alle Belege und Nachweise direkt vorlegen. Das sind vor allem die letzten drei Jahresabschlüsse, eine betriebswirtschaftliche Auswertung und eventuell die letzten drei Einkommensteuerbescheide. 
  • Ausreichendes Haushaltseinkommen: Damit die monatliche finanzielle Belastung durch eine Baufinanzierung regelmäßig gezahlt werden kann, prüft die Bank das zur Verfügung stehende Nettoeinkommen des Haushalts. Dazu gibt es keine konkreten Angaben, wie hoch das bei Selbstständigen ausfallen muss. Jedoch muss ausreichend Nettoeinkommen nach Abzug der Finanzierungskosten übrigbleiben, um den Zahlungen der Bank nachzukommen. 
  • Lückenlose Zahlungsmoral: Während der Kreditvergabe wird eine sogenannte Bonitätsprüfung des Darlehensnehmers oder der Darlehensnehmerin durchgeführt. Hier werden unter anderem auch die SCHUFA-Auskünfte der Person eingeholt. Sind hier negative Einträge vorhanden, lässt das auf eine schlechte Zahlungsmoral schließen. Dadurch wird die Zusage zur Baufinanzierung unwahrscheinlicher. Vor der Prüfung durch die Bank können Hausbauende und -kaufende hier aber selbst aktiv werden und ihre SCHUFA-Einträge abfragen, um sicherzugehen, dass dort keine falschen Angaben getätigt wurden. 
  • Eigenkapital: In jeder Baufinanzierung wirkt sich ein hoher Eigenkapitalanteil positiv auf die Kreditvergabe und die Finanzierungskonditionen aus. Auch Selbstständige und Gewerbetreibende profitieren doppelt vom eigenen Ersparten. Erstens wird dadurch eine Finanzierungszusage wahrscheinlicher und zweitens wird der Zinssatz niedriger und die Darlehenssumme reduziert sich um den durch Eigenkapital eingebrachten Anteil. Der Eigenkapitalanteil sollte mindestens 15-20 Prozent der Baukosten oder des Kaufpreises betragen. 
  • Immobilie: Für die Vergabe der Baufinanzierung hat der Wert und die Beständigkeit der Immobilie einen großen Einfluss. Eine einwandfreie Immobilie in besonders begehrter Lage wird eher finanziert als ein wertunbeständiges Objekt. Im Fall eines Verkaufes durch die Bank erhöhen sich dadurch die Sicherheiten, den vollständigen oder annähernd vollständigen Finanzierungsbetrag zurückzuerhalten. Das gilt jedoch für alle Darlehensinteressierten. 
  • Zusätzliche Sicherheiten: Eine positive Finanzierungsbestätigung kann unter anderem durch weitere Sicherheiten beeinflusst werden. Weist der Selbstständige zum Beispiel eine Lebens- oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung nach, sind die Angehörigen unter bestimmten Umständen beim Tod oder Berufsunfähigkeit finanziell abgesichert. 
  • Weitere Darlehensnehmer bzw. -nehmerinnen: Tritt der Ehepartner mit einem unbefristeten Angestelltenverhältnis mit in den Darlehensvertrag ein, erhöhen sich die Chancen auf eine Baufinanzierung. Dadurch werden die unsicheren Einnahmen des Selbstständigen oder Gewerbetreibenden abgefedert. 

Ob eine positive Zusage für die Baufinanzierung erfolgt, hängt auch von der Bank oder dem Kreditinstitut ab, wo angefragt wird. Erhalten selbstständige Hausbauende oder -kaufende eine Absage von der angefragten Bank, sollten sie sich weitere Angebote einholen.

Veröffentlicht am 
Jan 12, 2022

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